GEISELWIND

Markt Geiselwind (Füttersee, Rehweiler)
Marktplatz 1 - 96160 Geiselwind - Tel. 09556 92220 - Fax 09556 92229

www.geiselwind.de - markt@geiselwind.de
 

Der Name Gyselwinden deutet darauf hin, dass der Ort eine Slawen- bzw. Wendensiedlung unter Herrschaft eines “Gisilo” gewesen ist. Eine andere Erklärung lautet, Karl der Große habe den Ort nach seiner in Italien geborenen Tochter Theodorata Giselabenannt und ihr Ort und Umland zum Geschenk gemacht.Es ist denkbar, dass die erste Kirche in Geiselwind eine der 14 Wendenkirchen gewesen ist, die Kaiser Karl um 800 zur Christianisierung der heidnischen Stämme in Franken hat bauen lassen.

Geiselwind erscheint erst sehr spät in den urkundlichen Quellen. 1316 überließ ein Lehensmann der Grafen zu Castell, Heinrich gen. Frevel, seine Güter zu Geiselwind dem Kloster Ebrach, wobei Graf Friedrich zu Castell auf seine lehensherrlichen Rechte verzichtete. Spätestens Ende des 14. Jahrhunderts besitzen dann die Zollner zu Hallburg und Rimbach “das Dorf Geiselwind” als Castell’sches Lehen. Sie verkaufen es an den burggräflichen Hofmeister Wirich von Treutlingen. Diesem Besitzerwechsel war es zu verdanken, dass Geiselwind 1422 durch Kaiser Sigis-mund das Marktrecht und ein eigenes Centgericht erhielt.Neben den Schwarzenberg hatten hier auch die Klöster Ebrach und Schwarzach Güter und Rechte.

Johann Graf zu Schwarzenberg bestätigt, von den Grafen zu Castell u.a. den Markt “Geyselwindt” erhalten zu haben (18. Dezember 1578)
 

Um die Mitte des 15. Jahrhunderts vermachten mehrere Geiselwinder Bürger der Kirche vier “Ewige Kühe”: Kühe zu Nutzen des Pfarrherren, der als Gegenleistung des Seelenheils der Stifter zu gedenken hatte. Dieser auch “Immerkühe” oder “Eiserne Kühe” genannte Naturalunterhalt bezeichnete eine von den Verpflichteten zu erhaltende und nach ihrem Tode zu ersetzende Kuh, also eine “ewige Rente” des Nutzers dieser Kuh.

Bereits 1426 ging das Castell’sche Lehen “Geyselwinde” an die Herren zu Schwarzenberg über, diese übernehmen 1503 das Kirchenpatronat von den Birklinger Augustiner-Chorherren und führen in Geiselwind die Reformation ein. Der Ort blieb bis 1627 evangelisch. Große Not kam über den Ort während des Dreißigjährigen Krieges, in dessen Verlauf nicht nur die “Immerkühe” auf Nimmerwiedersehen verschwanden, sondern der Ort und seine Einwohner auch wieder katholisch wurden.

Die Pfarrkirche St. Burkard wurde Anfang des 16. Jahrhunderts erbaut, der 43 Meter hohe Turm beherrscht das Ortsbild. In der Nordwand eingemauerter Türsturz mit Lebensbaum und zwei Sonnenscheiben stammt bereits aus dem 11. Jahrhundert, wohl aus einem Vorgängerbau. Im Kircheninneren: neugotischer Hochaltar,1899von Schreiner Link aus Würzburg, mit Figuren von Matthias Schiestl um 1905. Seitenaltäre (1766) von Michael Becker aus Dettelbach mit hübschen Rokokofiguren Wendelin, Isidor, Thekla und Barbara.

An den Chorwänden Holzfiguren, wahrscheinlich vom alten Hochaltar stammend (1688/90). Am Eingang und an der Empore Wappen der Patronatsherren Schwarzenberg. Im Besitz der Kirche ist eine bedeutende Sammlung von Vortrags-Zunftstangen mit farbig gefassten Holzfiguren. Neben der Heiligendarstellung ist meist ein Zunftschild angebracht. Ein Teil der Sammlung ist im Pfarrhaus.

Rathaus am Markt aus dem Jahr 1669 mit reichem Zierfachwerk, Amtshaus (Nr. 2) mit stattlichem Mansarddach, auf der Mauer der bekannte “Murrmann” (“das Wurstmännla”), das Wahrzeichen des Ortes; die die Figur begründende Begebenheit aus dem Schwedenkrieg kann in Geiselwind jedes Kind erzählen. Marktbrunnen (1753) mit Figur des Hl. Nepomuk, Ortswappen und Wappen der Schwarzenberg. An der Straße nach Schlüsselfeld am Ortsausgang Dreifaltigkeitskapelle (1723), an der Straße nach Gräfenneuses am Ortsrand Kapelle St. Marien (1723). A.C.

  Rathaus in Geiselwind (1669)

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