Loube (“Am Laubwald”) gehört zu denjenigen Ortschaften, in welchen eine würzburgische Vogtei nach dem Tode des Grafen Ludwig zu Castell im Jahr 1230 an dessen Bruder Rupert verliehen wurde. Diese Vogtei überließen Graf Heinrich II. und Friedrich der Ältere zu Castell vor dem Jahr 1306 dem Kloster Schwarzach. Gleichwohl wird noch eine würzburgische Vogtei in Laub im Lehenbrief des Bischofs Gottfried III. um 1314 als an die Grafen Castell verliehen aufgeführt. 1339 verkauft das Kloster Münsterschwarzach den Ort für 1.430 Pfund Heller an die Brüder Rüdiger und Wölflin Teufel aus Würzburg. Bereits im darauffolgenden Jahr schenkten diese den Ort weiter an das Bürgerspital “Zum Heiligen Geist” in Würzburg.

Johann von Ster(e)n und seine Ehefrau Mergardis, Würzburger Patrizier, überließen im Jahr 1316 ein Anwesen zur Aufnahme pflegebedürftiger Menschen und begründeten damit die ab dem 16. Jahrhundert Bürgerspital genannte Stiftung. Nach Bestätigung der Stiftungsgründung 1321 erfolgte die wirtschaftliche Ausstattung des neuen Spitals durch die Stifterfamilie (Zustiftung von drei Häusern, Gartengrundstücken und einem “Zu den Rosen” genannten Hof). Die größte Zustiftung in der Geschichte des Bürgerspitals erfolgte dann im Jahre 1340 durch die Brüder Rüdiger und Wölflin Teufel mit der Übertragung ihres Besitzes im Dorf Laub.

Nachdem das Bürgerspital 1386 auch noch einen Seinsheim’schen Hof und die Güter und Lehen des Ritters Fuchs erworben hatte, stand nun der ganze Ort Laub unter einer einheitlichen Herrschaft und stellte damit für fränkische Verhältnisse eine große Besonderheit dar: Ein Dorf mit immerhin 30 Lehenhöfen, 3 Bauhöfen und 10 “Söldengütchen” mit nur einem Grund- und Lehensherren, dem Bürgerspital Zum “Heiligen Geist” in Würzburg. Sprichwörtlich war die “milde Herrschaft” des Bürgerspitals. Dessen Pfleger konnten durchsetzen, dass Laub und alle seine Bewohner “für ewig von allen Steuern, Bet und Schatzung” befreit wurden. Bischof Gerhard von Schwarzburg hatte dem Spital dies zugesichert, und dieser glückliche Zustand sollte mehr als 400 Jahre anhalten. Selbst als 1556 landauf landab eine Türkensteuer eingehoben wurde, blieben Laub und seine Bürger hiervon befreit.

Die niedere Gerichtsbarkeit lag bei der Dorfherrschaft. Schwere Verbrechen wie Raub, Mord, Brand und Ehebruch hingegen mussten vor der bis 1662 würzburg-castell’schen Cent in Stadtschwar-zach verhandelt werden. Fremde Strafverfolgungskräfte hatten kein Recht in Laub, nur die Dorfherrschaft durfte den Verbrecher stellen, nach Düllstadt bis an die Brücke bringen und dort dem Centgrafen von Stadtschwarzach zur Aburteilung übergeben.

Sehenswert ist die spätgotische Pfarrkirche St. Nikolaus. Erbaut 1590 durch das Bürgerspital Würzburg birgt sie die berühmte Sandsteinmodonna (um 1310), eine Gestalt von höfisch-edlem Anstand, mit Stifterwappen der Familie Teufel. Die Statue wurde 1590 für den Preis “zweier Eimer Weins” von den Würzburger Franziskanern abgekauft. Seitlich rechts davon: Wappen der Stadt Würzburg, links: Wappen (Widder) mit Umschrift: Johan von Stern Stifter des Burger-Spitals Anno 1590

   Sandsteinmadonna (um 1310)

Rokokohochaltar

von Bildschnitzer Mathias Sporrer aus Sommerach 1723, Kreuzigungsgruppe, vermutlich ein Rest des ursprünglichen Hochaltars von Georg Meurer 1590/93, und Vierzehnheiligengruppe, Sakramentsnische um 1590 unter einem Pelikan (Das sich selbst opfernde Wesen als Sinnbild für Christus) mit zwei Stifterwappen. Interessante Darstellung der Vierzehn Nothelfer an der Nordwand (Schlüssel zur Kirche bei Herrn Brucks, Haus 16).

Vormaliger Zehnthof von 1597 mit Jahrzahl über dem Torbogen. A.C.

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