Das an der wichtigen Handelsstraße von Würzburg nach Nürnberg gelegene Mainbernheim wurde im Zuge der fränkischen Kolonisationstätigkeit des 6./7. Jahrhunderts gegründet. Es erscheint 889 erstmals in einer Urkunde, als König Arnulf dem Würzburger Bistum hier mehrere Zehntabgaben bestätigte. 1172 erhob Kaiser Friedrich Barbarossa “Bernheim” zum Reichsdorf. Spätestens im frühen 13. Jahrhundert besaßen die Grafen zu Castell hier Zehntrechte, die sie aber im Vergleich von 1230 an Würzburg abtreten mussten. Es hat aber später doch noch Castell’sche Zehnten an Weinbergen und Äckern gegeben, denn 1415 wies der Rat der Stadt Mainbernheim dem Würzburger Domkapitel und dem Grafen Linhard zu Castell zusammenhängende Zehntfelder in der Bernheimer Flur an, da die Zehnten bisher vielfach durcheinander lagen und daraus Strittigkeiten entstanden waren. Mit der Stadterhebung durch König Wenzel 1382 erhielt Mainbernheim sein Stadtwappen. Im späten Mittelalter wurde die Stadt wiederholt von den Kaisern verpfändet, so auch einmal um 400 Pfund von Rudolf I. an den Grafen Heinrich II. zu Castell, der den Ort 1282 an den Ritter Berthold Kilholz weiterverpfändete. Die Pfarrei war eine Castell’sche Patronatspfarrei, wurde aber im April 1457 von Graf Wilhelm zu Castell dem Bürgermeister und Rat der Stadt Mainbernheim überlassen. Von 1525 bis 1792 gehörte Mainbernheim den Markgrafen von Brandenburg-Ansbach, die hier auch 1528 die Reformation einführten und die aufstrebende Stadt nach Kräften förderten. In der brandenburgischen Zeit blühten Handwerk, aber vor allem Weinbau und Weinhandel auf. Nach einem preußischen und großherzoglich würzburgischen Intermezzo kam das Markgrafenstädtchen 1814 endgültig an Bayern. Mainbernheim ist heute auch durch eine Lebkuchenfabrik berühmt, die seit 1893 ihre Leckereien in alle Welt versendet.

Die nach der Stadterhebung im späten 14. Jahrhundert begonnene Stadtbefestigung ist beinahe vollständig erhalten. Die Ringmauer, im Westen teilweise mit Graben, hat heute noch eine Höhe von bis zu 8 Metern, besitzt 18 Türme und bietet von Südwesten (B 8) eine besonders eindrucksvolle Ansicht. Die Herrnstraße teilt die Altstadt in zwei Hälften und verbindet die beiden Stadttore. Das untere, fünfgeschossige Tor (1404-1418) weist Richtung Kitzingen. Um 1600 wurde das oberste Geschoss mit Fachwerk und Satteldach aufgeführt. Die ehemalige Zugbrücke wurde durch eine Brücke ersetzt und außen ein Torhaus mit Fachwerk angebaut. Innen kleine rundbogige Tür, darüber männlicher Kopf, außen an der Südwestseite ein Kragstein für einen Abort.

1648 wurde das obere Tor gegen Iphofen mit einem achtseitigen Obergeschoss gebaut, Mansarddach und Laterne wurden im 18. Jahrhundert hinzugefügt. Rechts und links sind noch die Rollenschlitze der früheren Zugbrücke erkennbar.

Die enge Verbindung zwischen geistlichem und weltlichem Leben in früheren Jahrhunderten verdeutlicht das Ensemble um das Rathaus. Die rechteckige Anlage mit dreigeschossiger Giebelseite (1548) besitzt im zweiten Obergeschoss drei bemerkenswerte Doppelfenster mit Vorhang-Gewänden aus Sandstein. Am linken Fenster ist zu lesen: Wer gotes wort bekent hie in diser welt, dem wirts nit versigen weder hie noch dort, ano MDXLVIII (=1548), am rechten Fenster: Wilt du nit wissen wer du bist, so sag auch ein andern nit wer er ist 1548. Das reich profilierte Portal an der Längsseite erhielt vor wenigen Jahren eine nachgebildete Tür. Im zweiten Stock befindet sich der sehenswerte Ratssaal. Neben dem Rathaus steht die ev. Stadtpfarrkirche St. Johannes. Die Untergeschosse des Turmes (um 1300), der im Besitz der Stadt ist, wurden 1681 erhöht. An der Westseite prangt das Stadtwappen mit dem Bären. Die Wetterfahne mit dem preußischen Adler erinnert an die kurzzeitige Zugehörigkeit zu Preußen (1792-1806). Chor und Langhaus wurden nach Abriss der alten Kirche 1732 (Jahreszahl und Steinmetzzeichen am Westportal) unter Leitung von Johann David Steingruber erbaut. An der Südseite Kreuzigungsgruppe von 1498. Der Altar von 1744 zeigt die Auferstehung Jesu und wird von dem apokalyptischen Lamm Gottes auf dem Buch mit sieben Siegeln bekrönt. Dieses Thema erscheint noch einmal in der Figur Johannes des Täufers auf dem früheren Altarbild (das himmlische Jerusalem), das heute über dem Eingang zur Sakristei hängt, und in dem modernen Deckengemälde von 1948. Orgelprospekt und Kanzel stammen aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

  Rathaus (1548)

  Rathaus und Kirche stehen im Zentrum der Stadt

Eines der stimmungsvollsten Denkmäler im Landkreis Kitzingen ist der alte Teil des Mainbernheimer Friedhofs, der 1546 nordwestlich der Stadt angelegt wurde. Bemerkenswert ist das Renaissance-Portal mit Pilastern und Giebelvoluten, die von einem klassizistischen Aufsatz abgeschlossen werden. Die Inschrift erinnert an die Erweiterung des Friedhofs im Jahre 1618 und wird oben eingerahmt vom Wappen der Markgrafen, dem der Stadt Mainbernheim sowie rechts und links von den Wappen des Vogtes, des Bürgermeisters und der Baumeister. Eine steinerne Friedhofskanzel (um 1618) mit geschiefertem Kuppeldach ist noch heute in Gebrauch, während die Trauergäste unter den Arkaden aus dem 17. Jahrhundert Platz nehmen können. Hier stehen auch zahlreiche Grabsteine aus dem 17. bis 19. Jahrhundert, von denen einer an Johann Friedrich Jäger erinnert, anfangs hochgräflich Castell’scher Registrator dan Secretarius in Remlingen, Rat und Amtmann zu Castell, nachmals hochfürstl. Brandenburg-Onoltsbach’scher Oberschultheis † 1688.

Längs der Herrnstraße befinden sich zahlreiche stattliche Häuser aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Gegenüber dem Rathaus, im ehemaligen Wirtshaus “Zur Güldenen Crone” übernachteten mehrfach Kaiser und Könige. Am 24. Januar 1740 kehrte hier auch die deutsche Kaiserkrone ein, als man sie unter militärischer Bewachung zur Krönung Kaiser Karls VII. nach Frankfurt brachte. Herausragend sind auch das Gasthaus “Zum Schwarzen Adler” mit Treppengiebel (18./19.Jh., Herrnstraße 13), die Gastwirtschaft “Zum Schwarzen Bären” (Herrnstraße 23) mit anschließender Hofanlage aus dem 17. Jahrhundert und direkt daneben das Stammhaus der Bären-Lebkuchenfabrik und ehemalige Pflasterzollstation. Schräg davor ein sechseckiger Röhrenbrunnen mit dem Wappentier der Stadt, einem Bären. Eindrucksvoll auch der Gasthof “Zum Falken” (Herrnstraße 27).

 

Mainbernheim zeichnet sich durch zahlreiche stattliche Fachwerkbauten des 17./18. Jh. aus.

 

Am Scheuerleinsplatz steht das Geburtshaus des von König Ludwig I. geschätzten Lyrikers Johann Georg Scheuerlein (1802-1872). Daneben das ehemalige Kastenamt der Markgrafen von Brandenburg-Ansbach mit einem imposanten Walmdach aus dem 18. Jahrhundert. In Mainbernheim existierte seit dem späten Mittelalter bis 1942 auch eine Judengemeinde, die in der Brunnengasse 4 ihre Synagoge hatte (Gedenktafel im Rathaus). Im neuen Schützenhaus außerhalb der östlichen Stadtmauer wird die Schützenscheibensammlung der sich auf das Jahr 1382 zurückführenden kgl. priv. Schützengesellschaft Mainbernheim präsentiert, eine Sammlung von über 200 Schützenscheiben, die in ihrer einzigartigen Vollständigkeit seit 1783/1815 ein beeindruckendes Bild volkstümlicher Kunst bietet (Führungen nach Vereinbarung, Tel. 09323 871133). J.D.

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