Urkundlich erwähnt wird eine Vogtei in Marktsteft bereits 1197, die von König Philipp von Schwaben an das Bistum Würzburg übergeben wird. 1216 wird Stephe (wohl nach dem Hl. Stephanus, der auch das Wappen der Stadt ziert), 1371 Stepfe das dorff im Besitz der Herren von Hohenlohe-Brauneck genannt. 1399 erscheint erstmals das Patronatsrecht der Grafen zu Castell über die pfarre zu Stefft, welches bis zum Jahr 1969 von den späteren Fürsten zu Castell ausgeübt wurde.

Von 1448 bis 1791 steht es unter der Herrschaft der Markgrafen von Brandenburg-Ansbach, die 1534 die Reformation einführten und den Ort nach 1629 zu ihrem einzigen Brückenkopf am Main ausbauten, nachdem sie Kitzingen wieder an das Hochstift Würzburg zurückgeben mussten. Steft wurde so während der Gegenreformation zum Zufluchtsort vieler evangelischer Kitzinger. Der Westfälische Frieden (1648) bedeutete auch hier den Beginn einer Blütezeit. 1726 verlieh Markgräfin Christiana Charlotte dem Dorf Stefft Marktrecht. Bis zum Jahr 1789 entstanden unter Ansbacher Planung 91 teilweise imposante Neubauten. Im 18. Jahrhundert erfolgte ein bedeutender wirtschaftlicher Aufschwung durch gezielte Ansiedlung von Kleinbetrieben (Strumpfwirkereien, Seidenfabrikation, Tabakverarbeitung), den Ausbau des Hafens und die Förderung der Schiffahrt. Die Ansbach’sche Flotte wurde 1711 von Wertheim hierher verlegt. 1733 verließen aus Salzburg vertriebene Protestanten über diesen Hafen Europa. 1772 – 1782 wurden Ansbach’sche Soldaten (zuletzt 1432 Soldaten auf 28 Mainschiffen im Jahr 1788) als Söldner nach Amerika eingeschifft. Nach dem Übergang der Markgrafentümer Ansbach und Bayreuth an Preußen 1791 verlor der Markt an Bedeutung. 1870 wurde Marktsteft zur Stadt erhoben.

 

Pfarrer Johannes Kreiel bekennt gegenüber dem Grafen Friedrich zu Castell den Empfang der “pfare zu Stefte” (23. Juni 1485).

 

Kirchensaal und Chor der Kirche St. Stephan entstanden 1623/24 durch Erweiterung und Erhöhung der vorigen Kirche und sind mit einer Intarsiendecke gedeckt, von1608 der Kirchturm. Der Taufstein mit Beschlagwerk und Engelsköpfchen stammt ebenfalls aus dieser Zeit. Die sechseckige Kanzel und der viersäulige Altar sind eine Stiftung von 1737. Das Altarblattmit Kreuzigungsgruppe ist ein signiertes Werk von Johann Christoph Pitsch (1739). Im Langhaus ein lebensgroßes Kruzifix aus der Mitte des 16. Jahrhunderts. Rund um die Kirche befindet sich eine gut erhaltene Kirchenburg mit Gaden. Im Torturm (1609) der Anlage befindet sich das Rathaus, das 1726 ein Pyramidendach mit Laterne erhielt.

Herrnstraße mit Bauten des “Ansbacher Barock” und einem prächtigen Bürgerhaus des damaligen Königl. Preußischen Hofschiffmanns Manger; später Präparandenschule. Haus Nummer 14 seit 1730 Oberschultheißenamt der Markgrafen. Zwei Häuser errichtete die bedeutende Kaufmannsfamilie Keerl: Das Rote Keerlhaus (Nr. 8) mit einem prächtigen Rokokopavillon im Garten, und gegenüber das Haus Keerl (Nr. 5) von 1774. Es gilt als der schönste Barockbau am Main zwischen Volkach und Würzburg

  Haus Keerl in der Herrnstraße

Der Friedhof wurde 1584 während einer Pestepidemie aus dem Kirchhof vor das Dorf verlegt. Im Inneren des Friedhofs auf zwei Seiten Holzarkaden, an deren Wänden Epitaphien von Marktstefter Handels- und Schifferfamilien aus dem 18. Jahrhundert. Die Friedhofskanzel (“Predigthäuslein”) stammt von 1603.

Die ehemalige Schranne (Lagerhaus) von 1751 und die Arbeitersiedlung in der Schwanenwirtgasse bezeugen das Leben hart arbeitender Menschen. Geht man die Schrannengasse hinunter, kommt man zum Hafen, der 1726 und 1743 ausgebaut wurde. Das achteckige gemauerte Gebäude auf der Hafenmauer ist der Unterbau des 1764 errichteten Kranens. Die seit dem 19. Jahrhundert unveränderte Anlage stellt heute die älteste in ihrer ursprünglichen Form erhaltene Hafenanlage Bayerns dar. R.E.

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