Seit nahezu 30 Jahren ist der Name Mönchsondheim untrennbar mit einem ganz besonderen Museum verbunden: dem Kirchenburgmuseum. Kirchenburg, Wirtshaus, Rathaus, Schulhaus und noch weitere Gebäude bilden ein Freilandmuseum, das nicht nur in der Fachwelt größte Wertschätzung genießt. Denn hier stehen alle Bauwerke noch am ursprünglichen Platz, sind also nicht umgesetzt, und zeigen das unverfälschte Bild eines mainfränkischen Dorfplatzes. Obwohl nicht wenige Gebäude für Museumszwecke genutzt werden, hat sich eine lebendige und rührige Dorfgemeinschaft erhalten.

Mönchsondheim gründeten vermutlich um 600 die Merowinger-Franken als südliche Außenstelle des “Königshofes” Iphofen. Deshalb nannte man es Suntheim: die südlich vom Hauptort Iphofen gelegene Ansiedlung. Erst viele Jahrhunderte später, im Jahre 1100, wird Mönchsondheim in einer Urkunde des Klosters Sankt Stephan in Würzburg erstmals schriftlich erwähnt. Ende des 13. Jahrhunderts erwarb Kloster Ebrach das Dorf und blieb unangefochtener Dorfherr bis zur Säkularisation im Jahre 1803. Daher rührt auch der Namensbestandteil “Mönch”, der seit dem 15. Jahrhundert üblich wird. Als “königlich bayerische Landgemeinde” zählte Mönchsondheim anschließend zum Bezirk Mittelfranken, bis 1972 die Zuweisung nach Unterfranken und die Eingemeindung in die Stadt Iphofen erfolgte.

Von einer schon immer stark landwirtschaftlich geprägten Struktur zeugt das erste Klosterurbar (ein Güterverzeichnis) der Abtei Ebrach aus dem Jahre 1340. Für Mönchsondheim sind darin bereits 30 Bauernhöfe erwähnt mit jeweils 30 Morgen Ackerland, 1 Morgen Wiesen und 0,5 Morgen Weinberge. Auf der fruchtbaren Lößebene gegen Herrnsheim gedeihen seit jeher Getreide und Hackfrüchte in bester Güte und Qualität. Von dem bis ins 20. Jahrhundert an den Talhängen des Breitbachs sehr rege betriebenen Weinbau finden sich heute keine Spuren mehr. Nur noch wenige Obstwiesen erinnern an den Anbau von abertausenden Zwetschgen-und Apfelbäumen. Allein im starken Frostjahr 1880 sollen nahezu 2000 Bäume erfroren sein!

Ausdruck eines ansehnlichen Wohlstandes sind die stattlichen, meist zweigeschossigen und massiv aus heimischem Sandstein aufgeführten Wohnhäuser. Hingegen findet sich Fachwerk noch oft an Scheunen und sonstigen Nebengebäuden. Im Herzen des Dorfes steht das Rathaus, ein wuchtiger Fachwerkbau von 1557. Bei einer Renovierung im Jahre 1995 legte man das bis dahin verputzte wunderschöne Renaissance-Schmuckfachwerk frei. Im Erdgeschoß wurden seit der Bauzeit bis 1880 eine Schmiede und bis 1958 eine Dorfbäckerei betrieben. Das Obergeschoß birgt die Repräsentationsräume der Gemeinde: das Sitzungszimmer, in welchem das Schultheißengericht und der Gemeinderat tagten, und die große Rathausdiele für festliche Anlässe. Es ist überliefert, dass dort nicht nur Kirchweihtänze, Empfänge und Bürgerversammlungen, sondern auch Hochzeiten und “Gedächtnistrunke” bei Beerdigungen abgehalten wurden.

  Rathaus von 1557

Gleich gegenüber dem Rathaus steht die Kirchenburg mit der Dorfkirche. Eine capella in suntheim wird erstmals 1224 genannt. Das heutige Gotteshaus wurde 1688 errichtet und zeigt den typischen Stil einer schlichten evangelischen Dorfkirche. Zum Protestantismus bekennt sich Mönch-sondheim seit ungefähr 1560. Trotz des katholischen Dorfherrn Kloster Ebrach sagte sich das Dorf damals mit Unterstützung des Markgrafen von Ansbach von der überlieferten Religion los und war fortan ein “evangelisches Klosterdorf”. Fast gleichzeitig, 1563, entstand am Ortsrand in unmittelbarer Nähe einer schon bestehenden Kapelle der noch heute genutzte Friedhof. Die dazugehörige Gottesackerkirche bauten sich die Mönchsondheimer im Jahre 1722 von Grund auf neu. Im Innern des Barockkirchleins besticht vor allem ein kunstvoller Kanzelaltar.

Das bekannteste Bauwerk von Mönchsondheim ist sicherlich die Kirchenburg. Erbaut spätestens um 1400, wird das Aussehen heute von einer tiefgreifenden Umbauphase im 18. Jahrhunderts bestimmt. Solche Wehranlagen waren in den mittelalterlichen Dörfern Frankens keine Seltenheit. Mit Mauern und Vorratshäusern, sogen. “Gaden” oder “Kirchhäusern”, befestigte Kirchhöfe dienten sowohl zur Sicherheit der Bevölkerung in Kriegs- und Notzeiten, aber auch der permanenten landwirtschaftlichen Nutzung. Hier lagerten die Bauern das lebensnotwendige Getreide in die Gadenkammern ein, und die lukrative Handelsware Wein reifte in den tiefen Kellern. Viele Kirchenburgen sind inzwischen verschwunden oder nur noch in Resten erkennbar. Am vollständigsten erhalten und beispielhaft genutzt ist die Kirchenburg in Mönchsondheim.

  Blick in den Innenhof der Kirchenburg

Im Jahre 1975 konstituierte sich ein Verein mit dem Ziel, das stark renovierungsbedürftige Bauwerk zu retten und als Bauern- und Handwerkermuseum zu nutzen. 1981 konnte das Museum Besuchern zugänglich gemacht werden. In 38 Räumen sind die Gerätschaften zahlreicher Dorfhandwerker und Arbeitsgerät zur Landwirtschaft und zum Weinbau ausgestellt. Aus dieser Gerätesammlung entwickelte sich seit 1989 ein Freilandmuseum der besonderen Art. Heute zeigen das 1557 erbaute Rathaus, ein 1790 erbautes stattliches Gasthaus, ein Kleinbauernhof, ein Krämerladen, die 1927 errichtete Dorfschule und die Kirchenburg mit der Dorfkirche das klassische Bild eines mainfränkischen Dorfplatzes. Das Wirtshaus “Schwarzer Adler” mit einer angeschlossenen landwirtschaftlichen Hofstelle präsentiert sich im Einrichtungsstil der 20er Jahre mit zahlreichen Originalmöbeln. Im Gebäude der ehemaligen Dorfschule hielt 1989 ein Schulmuseum Einzug. Gezeigt wird ein Klassenzimmer, wie es viele noch kennen: mit Holzbänken, farbigen Bildtafeln, einem großen Kohleofen und dem respekteinflößenden Katheder des Schulmeisters. Zwei Dauerausstellungen ergänzen das vielseitige Angebot. Im ehemaligen Mesnerhaus dokumentiert die Ausstellung “Sunntogstracht und Werktogswoar” die ländliche Kleidungsweise im südlichen Unterfranken, und in der Wirtshausscheune wird unter dem Titel “Der öiber Wirt wor Gäulsbauer” eine Ausstellung zur Landwirtschaft in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts präsentiert.

Einen Schwerpunkt der Museumsarbeit bilden die zahlreichen kulturellen Veranstaltungen und Sonderausstellungen. Jeweils Mitte Juni wird zu den “Unterfränkische Volksmusiktagen” eingeladen, das Kirchenburgfest wird jeweils am ersten Julisonntag gefeiert, und das Kelter- und Herbstfest lädt am ersten Oktobersonntag zu frisch gekeltertem Apfel- und Traubensaft ein. R.H.

 Spielstein aus Horn und Knochenwürfel aus dem 12. Jahrhundert

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Tourist-Information Iphofen (Mönchsondheim)
Kirchplatz 7 - 97346 Iphofen - Tel. 09323 870306 - Fax 09323 870308

www.iphofen.de - tourist@iphofen.de
 

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