Nur wenige hundert Meter südlich der Abtei Münsterschwarzach liegt die Ortschaft Stadtschwarzach, die unter dem Würzburger Bischof Gozbald in der Mitte des 9. Jahrhunderts zuerst urkundlich erwähnt wurde. Schon im Verlauf des 13. Jahrhunderts erhielt sie vom Münsterschwarzacher Abt das Stadtrecht, verzichtete aber im Jahr 1818 darauf und ist daher heute Marktgemeinde. Schon immer stand das Schicksal Stadtschwarzachs im Schatten des mächtigen Klosters, wohnten doch hier vor allem Bauern und Dienstleute der Abtei.

Als Graf Ludwig II. zu Castell 1227 auf dem Kreuzzug verstarb, erhob dessen Bruder Graf Rupert V. Ansprüche auf die Würzburger Lehen, die der Verstorbene u.a. zu Stadtschwarzach besessen hatte. Dabei ging es vor allem um Vogteirechte und Grundbesitz, die Ludwig an den Würzburger Bischof verkauft hatte. Als Bischof Hermann I. von Lobdeburg die Forderungen Graf Ruperts zurückwies, begann dieser Würzburger Gebiet zu verwüsten. So plünderte er Anfang Juli 1228 das Kloster und Stadtschwarzach, das er niederbrennen ließ. Durch Funkenflug aus dem Ort wurden auch die Abteikirche und die meisten Klostergebäude ein Raub der Flammen. Da sich Rupert schließlich nicht gegen den mächtigeren Bischof durchsetzen konnte, musste er einem 1230 vermittelten Vergleich zustimmen, der ihm die Vogteirechte und Güter in Stadtschwarzach absprach.

Doch schon im Jahr 1283, anlässlich neuer Streitigkeiten mit dem Würzburger Fürstbischof, zerstörten die verbündeten Grafen Henneberg und Castell die Ortschaft wiederum durch eine Feuersbrunst und raubten das Kloster aus. Doch in einem blutigen Gefecht, das 500 Rittern und Knechten das Leben kostete, besiegte Bischof Berthold von Sternberg die Aufrührer. Im Gefolge des Ersten Markgräflerkrieges erlitt Stadtschwarzach 1462 erneute Schäden. Auch gingen der Zweite Markgräflerkrieg und der Dreißigjährige Krieg nicht ohne Not und Zerstörung an der Ortschaft vorüber.

Als Würzburger Lehen hatten die Grafen zu Castell die Hälfte der Cent zu Stadtschwarzach inne. Dieses Hoch- und Blutgericht war bei den “hohen Rügen” (Schwerverbrechen) für zahlreiche Orte in der Umgebung zuständig. Bis 1432 gehörte sogar Volkach, dem damals das Recht auf eigene Hochgerichtstage verliehen wurde, zu dessen Centgerichtsbezirk. Seit dieser Zeit stellte der Graf zu Castell dort zwar immer noch einen eigenen Centgrafen, hatte aber keinen Einfluss mehr auf das Verfahren, denn der Casteller Vertreter war nur schweigender Richter oder Beisitzer, neben dem fragenden Centgrafen des Würzburger Hochstifts. Allerdings wurden die verhängten Bußen und Strafgebühren zwischen Würzburg und Castell geteilt. Diese Situation blieb bis 1662 erhalten, als Castell schließlich seinen Anteil am Centgericht aufgab.

Von der ehemaligen Stadtbefestigung Stadtschwarzachs, die aus Wassergräben, Mauern und drei Toren bestand, sind nur geringe Reste erhalten. Den Marktplatz beherrschen das schlichte zweigeschossige Rathaus des frühen 18. Jahrhunderts mit Dachreiter und das um 1600 erbaute
ehemalige Engelwirtshaus (im Erdgeschoss heute Castell-Bank). 1983 wurde das mit reichem Fachwerk geschmückte Gebäude restauriert.

Inmitten des Ortes erhebt sich die kath. Pfarrkirche Hl. Kreuz, die auf einen Kirchenbau aus dem Jahr 1424 zurückgeht. Der Turm stammt in seinen unteren Bereichen noch aus dieser Zeit, wenn ihn auch Julius Echter Anfang des 17. Jahrhunderts um ein Geschoss erhöhte und seine typische Spitze aufsetzen ließ. Nach einem Sturmschaden erhielt das Gotteshaus 1940 die heutige niedrigere Pyramidenhaube. Die Neugotik zog mit dem Neubau des Langhauses 1868 ein. Allerdings behielt man die aufwendigen barocken Altäre bei, dessen rechter eine Anbetung der Hl. Drei Könige von Oswald Onghers schmückt. Die Skulptur einer Madonna mit Kind aus dem frühen 14. Jahrhundert spricht für die oft hervorragende Qualität ländlicher gotischer Kirchenausstattungen. P.A.S.

  Türe am ehemaligen Engelwirtshaus (1600)

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